Todesfalle Genfood
Wir fürchten uns zu Recht vor Glyphosat, weil der umstrittene Unkrautvernichter im dringenden Tatverdacht steht, Krebs auszulösen. Und weil Glyphosat überall breit verwendet wird, ist er jetzt auch in der Muttermilch aufgetaucht und über Lebens- und Futtermittel auf unseren Tellern.

(1) Und wie immer will die Industrie von nichts was wissen, das ihr selbst den besten Ertrag bringt. Dieses Spiel scheint System zu haben und nennt sich Lobbyismus. Bei Glyphosat zum Beispiel führt die Spur ausgerechnet zum staatlichen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), der maßgeblichen
Instanz für die Risikobewertung von Glyphosat, und wirft Fragen zu dessen Verbindungen zur Agrarlobby auf.

(2)  Noch weit interessanter und aufschlussreicher wird die Spurensuche, wenn man sich mit dem Thema Genfood gezielt beschäftigt. Während wir Verbraucher nach gutem, günstigem und nachhaltigem Essen Ausschau halten, geht es anderenorts um ganz andere Interessen. Mittels TTIP
wollen die großen US-Lebensmittelkonzerne uns unter anderem mit gefährlichem Genfood überschwemmen.

Türöffner TTIP
Auch bei TTIP glänzt der Staat durch Abwesenheit, und zwar nicht in Form einer Behörde, sondern  in Gänze. Denn das angebliche Freihandelsabkommen wird nicht nur geheim zwischen der EU und den
USA verhandelt, es bringt im Ergebnis auch eine glatte Enteignung europäischer Staaten zugunsten US-amerikanischer Multis und das Ende von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie bei uns.

(3) Der Verdacht liegt also nahe, dass im Bereich der Lebensmittelsicherheit mafiöse Strukturen am Werk sind, die Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit ebenso kalt lassen wie Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Um diesem Verdacht nachzugehen, muss man sich zunächst mit dem
Thema Genfood an sich beschäftigen. Fakt ist erst einmal, dass es in Europa so gut wie keine gentechnisch veränderten Lebensmittel gibt, weil der Verbraucher das mit großer Mehrheit ablehnt. So weit, so gut – und jetzt kommt das große ABER:  Zutaten für die Lebensmittelherstellung
werden sehr wohl aus Gen-Pflanzen gewonnen: „Diese Zutaten finden häufig Verwendung in Fertigprodukten und Süßwaren. Auch in der EU ist ihre Verwendung als Lebens- und Futtermittel erlaubt.“

(4) Auf einem Umweg kommt Gen-Food damit also doch auch bereits jetzt auf unseren Speiseplan. Abgesehen davon ist es auf dem amerikanischen Kontinent bereits sehr stark auf dem Vormarsch und Gen-Pflanzen wachsen dort munter auf so manchen Feldern, obwohl deren Verbreitung
bekanntermaßen so kaum zu kontrollieren ist. Und vor allem ist die Abhängigkeit vom industriellen Agrarbusiness bedenklich, der zudem die Umwelt zerstört – aber dafür den Konzernen massiv Profite beschert.

(5) Kein Wunder, denn Konzerne wie Monsanto wollen nichts weiter, als die weltweite Landwirtschaft unter ihre Kontrolle zu bringen – natürlich zum Wohle aller.

(6) Und mittels TTIP und auf allen erdenkbaren Wegen bahnen sich die
Agrarkonzerne jetzt auch ihren Weg nach Europa. Die Voraussetzungen
scheinen auch auf Seiten der europäischen Prüfbehörden so günstig zu
sein wie bei den schlafenden Staaten. Denn zuständig für die Zulassung
gentechnisch veränderter Pflanzen und daraus hergestellter Lebensmittel
ist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, kurz EFSA, die sich
durch ein merkwürdiges Verhalten verdächtig macht:
„Die EFSA hat bisher jede Gen-Pflanze als sicher bewertet, auch wenn
wissenschaftliche Studien das Gegenteil zeigten.“

(7) Staatliche Behörden schlafen, ganze Staaten ebenso – was ist da los?
Gezielter Lobbyismus scheint ein Teil der Antwort zu sein, massiver Druck
seitens der Vereinigten Staaten von Amerika ein weiteres Puzzleteil:
„Geheime Unterlagen haben gezeigt, dass Washington damit droht,
Exporterleichterungen für Europas Autoindustrie zu blockieren, um im
Gegenzug zu erreichen, dass die EU mehr US-Agrarprodukte abnimmt.
Gleichzeitig attackieren die Amerikaner das grundlegende Vorsorgeprinzip
beim europäischen Verbraucherschutz.“

(8) Und langsam wird aus diesen einzelnen Hinweisen ein Bild: Es gibt nur wenige marktbeherrschende Lebensmittel-  und Agrarkonzerne wie Monsanto weltweit.  Diese versuchen mit aller Macht und mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, ihre finanziellen Interessen durchzusetzen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen und umfasst alle Maßnahmen generalstabsmäßig geplanter Lobbyarbeit.
Dazu gehört eine gezielte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit enormen Budgets ebenso wie die „Kontaktpflege“ zu Politikern und zu allen Entscheidungsträgern auf allen relevanten Ebenen. Auch aggressive und ungewöhnliche Mittel sind dabei nicht ausgeschlossen, denn nur die
Zielerreichung zählt. Die Krönung wäre ein Abkommen wie TTIP, das uns zu Geiseln USamerikanischer Großkonzerne machen würde. Aber es geht auch anders, denn auch ohne staatliche Hilfe würde ein Konzern wie Monsanto andere Mittel und Wege finden, etwa durch eine Klage gegen die EU vor der
Welthandelsorganisation (WTO) etwa wegen des Einfuhrstopps für ein genverändertes Nahrungsmittel oder wegen irgendeines Anbauverbots – und würde wahrscheinlich sogar gewinnen.

(9)Wir dürfen uns deshalb in Zukunft über gentechnisch veränderte Lebensmittel ohne jede Kennzeichnungspflicht freuen, über das berühmte Chlor-hühnchen, genießen Nanotechnologie-Lebensmittel, hormongestärktes Fleisch ebenso wie Gen-Mais. Wollen wir das? Oder wollen wir unser Interesse als Verbraucher an gesunden und nachhaltig produzierten Lebensmitteln durchsetzen? Deren
Preis ohne die horrenden Profite der Agrarindustrie im Übrigen durchaus akzeptabel wäre. Auch die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung kann laut Vereinten Nationen ganz ohne Genfood sichergestellt werden.